Einzeln, zu zweit oder in der Gruppe?

Autorin: Dr. Ingrid Lorenz, TGD Bayern

Momentan ist die Einzelhaltung von Kälbern im konventionellen Milchviehbetrieb bis zu einem Alter von 8 Wochen unter bestimmten Vorgaben rechtlich möglich. Im Biobetrieb ist eine Einzelhaltung nur in der ersten Lebenswoche erlaubt. Relativ sicher wird die Regelung, wie sie jetzt schon für die ökologisch wirtschaftenden Betriebe gilt, in einigen Jahren so oder so ähnlich auf alle Kälberhaltungen ausgedehnt.


Kälber, die bereits nach wenigen Tagen in Kleingruppen oder zumindest zu zweit gehalten werden, nehmen früher mehr Festfutter auf, haben höhere Zunahmen, integrieren sich später besser in die Herde, bzw. haben weniger Probleme im Umgang mit unbekannten Situationen. Die paarweise Aufzucht verbindet diese Vorteile der Gruppenhaltung mit dem geringstmöglichen Ansteckungsrisiko. 

Es gibt einige Voraussetzungen für die erfolgreiche paarweise Haltung von Kälbern:

Die Haltung von Kälbern in größeren Gruppen ist aus arbeitstechnischer Sicht vorteilhaft, jedoch setzt hier die Gesunderhaltung der Kälber größere Anforderungen ans Management. Prinzipiell gilt, dass das Risiko von Krankheit, insbesondere von Rindergrippe, mit der Gruppengröße zunimmt. Ideal sind stabile Gruppen mit weniger als 7 Tieren von ähnlichem Alter. Die Gruppenbildung sollte zeitlich getrennt von anderen Stressfaktoren, wie dem Veröden der Hornanlagen oder Futterwechsel sein.

Bei Benutzung von Tränkeautomaten sind größere Gruppen nötig. Hier ist ein häufiges zusätzliches Problem, dass sich die Fläche um den Automaten durch ungünstige Anordnung in der Box und schlechte Drainage zu einem „Sumpf“ entwickelt. Das leitet der Verbreitung von Krankheitserregern Vorschub, aber wirkt sich auch ungünstig auf das Stallklima aus. Dies muss durch bautechnische Maßnahmen (Gefälle nach außerhalb der Box mit Ablauf) verhindert werden.

 

Anleitung zur Reinigung von Tränkeeimern

Autoren: Heinemann, C. und Steinhoff-Wagner, J.

Ergebnis der Studie „Bucket“, diese wurde gefördert aus Mitteln der Deutschen Rentenbank.

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Pro Gesund zur Kälberauswahl nutzen

Autorin: Sabine Rudin, LKV Bayern

Das bayerische Gesundheitsmonitoring für Milchkühe des LKV Bayern e.V. „Pro Gesund“ gliedert sich in mehrere Module. Neben Eutergesundheit, Stoffwechsel und weiteren Modulen, die vor allem die Milchkühe betreffen, gibt es auch ein spezielles Modul zur Kälbergesundheit.

Hier werden alle Daten, die über unterschiedliche Quellen (Landwirt selbst, LOP, evtl. Tierarzt, HI Tier) in den Herdenmanager gelangen, in anschauliche Grafiken und Tabellen verarbeitet.

Besonders die Maske „Selektionshilfe“ ist hier, wie der Name schon sagt, die erste Wahl, um sich einen Überblick über seine Kälber zu verschaffen.

In dieser Liste finden sich viele Informationen, die die Entscheidung, ob ein Kalb später z.B. als Milchkuh aufgestellt werden soll oder nicht, erleichtern sollen.

Über die Filterfunktion kann ausgewählt werden, ob alle Tiere bis zu einem Alter von 6 Monaten oder bis zur ersten Kalbung angezeigt werden sollen.

Über die Suchfunktion in der Spalte „Ohrmarke“ kann nach einem bestimmten Tier gesucht werden.

Klickt man direkt auf die Ohrmarke eines Kalbes, erscheint dessen Abstammung.

Neben Rasse, Geschlecht und Alter des Kalbes (in Tagen) erscheint auch der Hinweis, ob es sich um eine Zwillingsgeburt handelt, sowie der Hornstatus des Kalbes. Auch der vorgeschätzte und der genomische Gesamtzuchtwert werden in dieser Liste mit angezeigt.

Zudem gibt es Informationen zu den Elterntieren des Kalbes: Name und Hornstatus des Vaters, sowie Name, Hornstatus und letzte 305-Tagesleistung der Mutter. Außerdem wird die Anzahl aller bei der Mutter erfassten Diagnosen angegeben. Klickt man auf den Namen der Mutter, kann man im Lebenslauf des Muttertieres nochmal genau nachlesen, um welche Diagnosen es sich handelt.

Ebenso werden in der Liste alle beim Kalb selbst erfassten Diagnosen angezeigt. Auch hier kann man auf einen Blick sehen, welches Kalb problemlos durch die Aufzucht gekommen ist, und welches mehr Schwierigkeiten hatte.

Durch Anklicken der einzelnen Spalten kann die Liste nach beliebigen Kriterien sortiert werden.

Mit diesem Tool kann man zu jedem Kalb die wichtigsten Informationen auf einen Blick erhalten und sich so fundierte Gedanken zur Zukunft des Kalbes machen.

Die beiden weiteren Grafiken im Modul Kälbergesundheit legen den Schwerpunkt mehr auf das Betriebsmanagement. Die Grafik zur Kälbersterblichkeit zeigt beispielsweise, wie hoch die Kälbersterblichkeit im eigenen Betrieb prozentual auf das Jahr gesehen liegt. Durch den zusätzlichen Vergleich zur Kälbersterblichkeit innerhalb der Verwaltungsstelle, des Landkreises und ganz Bayerns kann man sich selbst noch besser einordnen. Die Grafik zum zeitlichen Verlauf der Diagnosen hilft zu erkennen, in welchem Alter der Kälber welche Probleme auftreten. So können schneller Maßnahmen gefunden werden, mit denen man diesen Problemen effektiv entgegenwirken kann.

So hat man die Gesundheit und Entwicklung der eigenen Nachzucht gut im Blick.